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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Trauernde Geschwister

Wenn Ihr Kind nach dem Tod des Geschwisterchens fragt, sollten Sie ihm - natürlich kindgerecht - antworten. Erklären Sie so einfach wie möglich, was genau passiert ist. Vermeiden Sie dabei unbedingt zweideutige Antworten. Häufig entwickeln Kinder selbst Angst davor zu sterben oder sorgen sich, dass nun auch die Eltern bald sterben werden. Daher sollten Sie zweideutige Sätze wie "Deine kleine Schwester ist eingeschlafen" vermeiden. Erklären Sie dem Kind, warum Menschen sterben, wenn sie zum Beispiel sehr alt sind, einen schweren Unfall oder eine schlimme Krankheit haben.


© Bastian Dincher/dpa

Unterdrücken Sie Ihre eigene Trauer nicht. Kinder können es viel besser aushalten, wenn ihre Eltern weinen, als man oft denkt. Sie verstehen, dass auch Erwachsene traurig sein können. Gleichzeitig haben sie ein feines Gespür für Emotionen. Wenn Sie versuchen, Ihre Trauer zu unterdrücken, werden die Kinder es bemerken. Viele Kinder denken dann, Trauer sei falsch und versuchen, auch ihre eigene Trauer zu verstecken. Oder aber sie glauben, dass die Eltern gar nicht um das verlorene Kind trauern, wenn sie nie weinen, und verlieren selbst das Vertrauen in die Liebe der Eltern.

"Über die Toten soll man nicht schlecht reden" sagt schon ein altes Sprichwort. Prinzipiell ist das natürlich richtig. Selbstverständlich wollen Sie sich am liebsten an die schönen Momente mit Ihrem verstorbenen Kind erinnern. Trotzdem sollten Sie aufpassen, das Kind nicht zu verherrlichen. Insbesondere Vergleiche mit dem lebenden Kind à la "Dein Bruder konnte das aber besser." sollten Sie unbedingt vermeiden. Ihr Kind wird sonst schnell das Gefühl bekommen, mit einem Toten zu konkurrieren. Und es wird wissen, dass es diesen Konkurrenzkampf nicht gewinnen kann. Zudem brauchen die Lebenden mehr Aufmerksamkeit als die Toten, daher ist es besonders wichtig, sich für die trauernden Geschwister genügend Zeit zu nehmen, selbst wenn das in der eigenen Trauer nicht so leicht fällt.

Schuldgefühle nehmen

Nicht nur, wer Kinder hat, weiß, dass alle Geschwister sich streiten. Mal mehr, mal weniger, mal laut, mal leise - Geschwister streiten sich. Wer als Erwachsener erlebt hat, dass ein Angehöriger nach einem Streit gestorben ist, der weiß, wie groß die Schuldgefühle sind, die man danach haben kann. Als Erwachsener haben Sie den Vorteil, dass Sie wissen, wie irrational diese Gefühle sind. Kinder wissen das oft nicht. Daher sollten Sie ein gutes Gespür dafür entwickeln und Ihrem Kind eventuelle Schuldgefühle nehmen. Fragen Sie genau nach den Gründen des Kindes für seine Schuldgefühle, damit Sie diese mit ihm gemeinsam untersuchen und entkräften können. Nur weil man dem Bruder einmal seinen Teddy weggenommen hat, trägt man nicht die Schuld an seinem Tod.?