Über den Trauerfall (2)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Claus Grobecker, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Ehemaliger Bremer Senator Claus Grobecker gestorben
08.02.2018 um 09:21 Uhr von WESER-KURIER
Raubein, Schlitzohr, harter Verhandler, begnadeter Netzwerker, Bremer durch und durch – Zuschreibungen, die das Bild Claus Grobeckers in der Öffentlichkeit ausgemacht haben. Am Dienstag ist der 82-jährige Sozialdemokrat gestorben. Der gelernte Buchdrucker, der hohe Staatsämter innehatte, stand für eine SPD alten Typs, in der aus hartem Holz geschnitzte Macher-Typen den Ton angaben, bisweilen an der Grenze zur Selbstherrlichkeit.
Grobeckers Aufstieg in der Bremer SPD lief über die Gewerkschaftsschiene. Als Vorsitzender der damaligen Industriegewerkschaft Druck und Papier gelangte er seit den 1960er-Jahren zu Einfluss in der Partei. Bereits mit 35 Jahren zog er 1970 als Nachfolger von Hans Stefan Seifriz erstmals in den Bundestag ein. „Was bist du von Beruf?“, soll ihn der legendäre SPD-Fraktionschef Herbert Wehner bei einem ersten Treffen gefragt haben. „Buchdrucker“, erwiderte Grobecker. Woraufhin Wehner entschied: „Dann gehörst du zur Intelligenz und kommst in den Haushaltsausschuss.“ Sein dort erworbenes finanzpolitisches Handwerkszeug sollte ihm später noch zugutekommen.
Dem Bundestag gehörte der gebürtige Gröpelinger bis 1983 an, in der Endphase der sozialliberalen Koalition sogar der Bundesregierung. Kanzler Helmut Schmidt diente er bis zu dessen Sturz einige Monate als parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium. Zurück in Bremen trat Claus Grobecker als Arbeitssenator in den letzten Senat Hans Koschnicks ein. Als der langjährige Bürgermeister im September 1985 sein Amt an Klaus Wedemeier übergab, entschied sich dieser, Claus Grobecker das Schlüsselressort Finanzen anzuvertrauen. Die beiden hatten zuvor kein sonderlich gutes Verhältnis zueinander. Doch Wedemeier – bis dato noch ohne bundespolitisches Standing – war schlau genug, sich Grobeckers ausgezeichneter Kontakte nach Bonn zu versichern. „Der kannte wichtige Player dort“, so Wedemeier. Als Grobeckers größtes politisches Verdienst gelten die Sanierungshilfen in Milliardenhöhe, die er für das damals schon klamme Bremen vor dem Bundesverfassungsgericht erstritt.
„Grobecker war allerdings auch der Meinung, dass Bremen selbst etwas tun musste, um die Finanzhilfen aus Bonn zu rechtfertigen“, sagt Klaus Wedemeier in der Rückschau auf gemeinsame Tage. Deshalb sei Grobecker gegenüber seinen Senatskollegen aus den Fachressorts manchmal auch undiplomatisch geworden, wenn sie ihm ihre Ausgabenwünsche vortrugen. Grobeckers Spitzname „Grobi“ war mehr als eine Abkürzung. Wedemeier: „Wir hatten damals auf dem Senatstisch ein Schiffchen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
Da musste jeder fünf Mark reinwerfen, wenn er sich in einer Senatssitzung im Ton vergriff. Claus machte manchmal ‚ne kleine Show draus und sagte: ,Ich steck die fünf Mark jetzt schon rein, aber nun bin ich erst mal dran‘.“ Die dann folgende Schimpfkanonade war dann in aller Regel nichts für zart besaitete Zeitgenossen. Unter der harten Schale zeigte sich bei Claus Grobecker dann und wann jedoch ein weicher Kern. „Wenn er mal jemandem vor den Bug geschossen hatte, konnte er es auch schnell wieder auflösen“, erinnert sich Grobeckers Nachfolger im Finanzressort, Volker Kröning. Und Klaus Wedemeier ergänzt: „Er hat sich um Leute, die Hilfe brauchten, gekümmert, ohne das an die große Glocke zu hängen.“
Bürgermeister Sieling würdigt Grobecker
In offiziellen Stellungnahmen aus dem Rathaus und der Bürgerschaft wurde Claus Grobecker am Mittwoch unter anderem als „aufrichtiger, kämpferischer Mensch“ gewürdigt. So formulierte es Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Grobecker habe „für seine sozialdemokratischen Überzeugungen mit offenem Visier gestritten“. Parlamentspräsident Christian Weber erinnert sich an den Verstorbenen als „liebenswerten Poltergeist“. Grobeckers „Sachverstand, seine Schlitzohrigkeit und sein Durchsetzungsvermögen, dazu die Erfahrungen in verschiedenen hohen politischen Ämtern“ hätten für das Land Bremen viel Positives bewirkt, so Weber. Gern habe er abends im „Kaiser Friedrich“ im Schnoor mit Grobecker beisammen gesessen und diskutiert.
Überhaupt, der Schnoor. Dieses Quartier hatte es Grobecker angetan. Viele Jahre lebte er im Haus neben „Madame Lothar“. Als in der Wolle gefärbten Hanseaten konnten ihn dort auch Außenstehende erleben – wenn er mit seiner damals noch kleinen Tochter Anna auf dem Balkon eine Flaggenparade mit den Wimpeln bremischer Reedereien zelebrierte.
Traueranzeige
08.02.2018 um 09:21 Uhr von WESER-KURIER